Kontrapunkt: Über Listen

4. Januar 2009

Ja, eigentlich hatte ich nicht vor, auf den Zug aufzuspringen, da das am Ende eines Kinojahres jeder tut und die Deutsche Bahn dann wegen Überladung wieder Unglücke zu vermelden hat. Aber egal, ich bin wankelmütig, was das angeht und auch ich will mal wieder total subjektiv 10 Zahlen untereinander schreiben. Und da the gaffer mir mit der „Bestenliste 2008″ schon den undankbarsten Job abnahm, werde ich jetzt dem dankbarsten nachgehen und so richtig schön meckern.

Hier also das Pendant:

Meine Top Ten-Liste der schlechtesten Filme 2008.

10. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (USA 2008)

Indiana Jones kämpft gegen Aliens. Das sagt eigentlich schon genug zum Verrat an der etablierten Film-Reihe, der hier passiert ist. Und Steven Spielberg kann noch so lange sagen, dass sein postmoderner Indy ein Zugeständnis an die Science-Fiction-Filme der 50er Jahre ist.

Meine Ausführungen zum Film findet man hier.

09. Der unglaubliche Hulk (USA 2008)

Keine Ahnung, warum alle Ang Lees Hulk von 2003 als so scheiße beurteilten. Ich fand Eric Bana seinerzeit in der Titelrolle als grünes Monster irgendwie glaubwürdiger als den stets harmlos wirkenden Edward Norton. Bezogen ist dieser 9. Platz übrigens in erster Linie auf die mies zusammen geschnippelte Kinofassung, die so echt nicht geht/ging.

08. Get Smart (USA 2008)

Der Steve Carrell-Film hat nur einen Pluspunkt: Steve Carrell. Ansonsten haben anscheinend kaum Leute gemerkt, dass es sich bei dieser Agentenfilmparodie um ein dümmliches, seelenloses Wiederaufbereiten der Kultserie aus den 60er Jahren mit einer hanebüchen konstruierten Story und komplett überkonstruierten Actionsequenzen handelt.

07. Shutter – Sie sehen dich (USA 2008)

Hollywood drehte mal wieder ein Remake eines Geisterfilms aus Fernost. Das ist mittlerweile eigentlich nicht mehr der Erwähnung wert – nur wenn es schlecht ausfällt.

So wie hier, als ein Fotograf (schlecht gespielt von Joshua Jackson) von einem Geist verfolgt wird. Unter anderem am Nacken… nun ja.

06. Wanted (USA/D 2008)

Ich mag diese seltsame Videoclip-schnell-schnell-düster-weils-geil-aussieht-Inszenierung von Timur Bekmambetov, für mich einer der meistüberschätzten Hollywoodimport-Regisseure der letzten Jahre, schlicht und einfach nicht. Warum? Weil schon die Wächter-Filme keine sinnvolle Handlung dazu aufwiesen und mich auch Angelina Jolies entblößter Arsch und die mäßigen Effekte nicht davon ablenken konnten. Weiteres dazu hier.

05. Jumper (USA 2008)

Auch fähige Leute wie Doug Liman („Mr. & Mrs. Smith“, „Die Bourne-Identität“) drehen einmal Crap wie diesen. Die blödsinnige Handlung um Teleportation usw. wird von Nebendarsteller Jamie Bell solide getragen, nicht jedoch von den öfter präsenten Hayden Christensen und Samuel L. Jackson, die bei ihrer Reise von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit der Welt mal besser bei ihren Laserschwertern geblieben wären.

04. Ich weiß, wer mich getötet hat (USA 2007)

Lindsay Lohan ist über ein Jahr jünger als ich und hat schon ein paar mehr Höhe- und viel mehr Tiefpunkte inklusive Drogensumpf durchlebt als ich. Dieser Film, 8-facher Abräumer bei der Verleihung der „Goldenen Himbeere“ 2008, gehört zweifelsohne auch in letztere Kategorie, wenn sie in einem hirnrissigen Plot um eineiige Zwillinge und einen ultrabrutalen Serienkiller der Gliedmaßen amputiert, erneut beweist, dass sie keine wirklich gute Schauspielerin ist.

03. Superhero Movie (USA 2008)

Ein Film, an den ich mich gerade nicht mehr wirklich erinnern kann. Aber Fakt ist: Ich war zu dieser Superheldenfilm-Parodie, die sich eher grob als subtil an der Story von „Spider-Man“ orientiert, im Kino! Leslie Nielsen ist neben „Star Trek“-Data Brent Spiner einer der wenigen bekannten Namen im Cast und zeigt, dass er auch immer noch hin und wieder lustig sein kann. Zum Beispiel, wenn sein eher kleinerer Auftritt als komischer Onkel endlich vorüber ist.

02. Meine Frau, die Spartaner und ich (USA 2008)

… oder: „Wie parodiere ich in 62 Minuten Filmlaufzeit sämtliche Blockbuster des vergangenen Jahres auf extrem dümmlichem Wege“. Ja, der Schmu ist nach 62 Minuten vorbei, dann folgt noch ein Gag-Best Of, dass noch einmal die besten Gags des Films variiert: also zwei oder drei. Ja, man lacht darüber, aber nur, weil es so dumm ist. Ja, „300″ liefert reichlich Verarsche-Potenzial, das hier aber nicht genutzt wird. Nein, ich höre jetzt auf mit „Ja, …“ und verweise auf meine weiter ausufernden Ergüsse zum Film.

01. Saw IV (USA 2007)

Systematischer Verkauf der Intelligenz des Kinozuschauers, erste Runde. Bis „Saw III“ waren die Morde des dahinsiechen Jigsaw wenigstens noch logisch, aber ab hier soll der geneigte Zuschauer mit einer endgültig extrem verärgernden Pointe zum Konsum vom bald anlaufenden Saw V animiert werden. Selten so einen extrem misanthropischen Dreck im Kino gesehen und selten einen Film, der so deutlich beim miesesten Filmmüll des Jahres vorne lag! Hier die ausführliche Kritik zum filmischen Untergang des Abendlandes.


Im „Verfolgerfeld“:

„Der rote Baron“
„The Eye“ sowie
„Eagle Eye – Außer Kontrolle“
Noch ein paar Hinweise zur Liste: Sie bezieht sich nur auf die Filme, die 2008 einen deutschen Kinostart hatten und die ich selbst im Kino gesehen habe. Folgende potenzielle „Perlen“ sind mir dabei leider (?) entgangen:

„Die wilden Kerle 5″
„Speed Racer“
„Prom Night“
„The Happening“
„Far Cry“

(Zumindest letzteren hätte ich gern im Kino gesehen, doch er kam in Jena leider nicht.)

Soviel dazu. Ich betone: Ein Teil der Filme lief in einer Sneak Preview, die ich bis Mitte vergangenen Jahres noch besuchen konnte, weswegen ich in den „Genuss“ der Filme kam. Nicht dass jemand außer the gaffer noch auf den abwegigen Gedanken kommt, ich würde mein Geld freiwillig für irgendwelchen Crap ausgeben…

Übrigens: Gesundes Neues noch!


2008: Das Jahr, indem wir Top Ten-Listen erstellten

31. Dezember 2008

…wie in jedem anderen Jahr auch.

Wie auch schon bei der Top Ten 2007 werden hier nur Filme berücksichtigt, die a) ihren deutschen Starttermin oder b) ihre (deutsche) DVD-Premiere im Jahre 2008 gefeiert haben. Die Einschränkungen sind recht wirr und dienen allein als seriös wirkende Ausrede dafür, dass ich die vielleicht wichtigsten amerikanischen Filme des Jahres – potenzielle Oscar-Anwärter z.B. – noch gar nicht gesehen habe, da deren deutscher Starttermin meist im Januar oder Februar 2009 liegt.

Noch dazu sei hinzuzufügen, dass ich aus verständlichen Gründen nicht alle 2008 produzierten Filme sehen konnte, da sonst mein Kopf platzen würde. So stelle ich es mir jedenfalls vor. Mit anderen Worten: Diese Liste ist ein persönliches Resümee des Filmjahres 2008. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit wird nicht garantiert:

10. Tödliche Entscheidung (USA/GB 2007)

Kaum zu glauben, dass Sidney Lumet „Die Zwölf Geschworenen“ vor 51 Jahren gedreht hat. Before The Devil Knows You’re Dead ist modern in seiner Form und unbarmherzig in seiner Schilderung menschlicher und familiärer Abgründe. Lumet hat wie schon vor einem halben Jahrhundert das beste aus seinem Ensemble herausgeholt, hier bestehend aus Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Marisa Tomei und Albert Finney.

09. WALL-E (USA 2008)

Letztes Jahr war es Ratatouille, dieses Jahr nimmt WALL-E den für Pixar reservierten Platz in meiner Top Ten ein. Die erste Hälfte des Films hätte ihn sogar auf Platz 1 katapultieren können. Da ist „WALL-E“ der beste Animationsfilm, den Charlie Chaplin nie gedreht hat. Mit der recht konventionellen zweiten Hälfte landet der liebenswerte Roboter immerhin auf Rang 9. Mal sehen, wie Up abschneiden wird. Immerhin trägt der nächste Pixar den Namen des besten Albums von Peter Gabriel. [Soviel zu unnützen Trivia-Infos]

08. Sweeney Todd – Der teufliche Barbier aus der Fleet Street (USA/GB 2008)

Ein düsteres Gothic-Musical ist Sweeney Todd, dass dank der Vorlage von Stephen Sondheim die für Tim Burton typische Oberflächlichkeit vermissen lässt. Wer hätte gedacht, dass Kannibalismus zu dermaßen eingängigen Liedern inspirieren kann? Auch für Nicht-Musical-Fans ist der Film mit Burtons Stammpersonal Johnny Depp und Helena Bonham Carter ein Muss.

07. Der Mongole (RUS/KZ/MGL/D 2007)

Dschingis Khan hat einen großen Film schon lange verdient. Sergei Bodrovs Der Mongole will das sein und wird dem Mythos der Steppe gerecht, ohne auf billiges Pathos oder auch nur eine klassische Erzählweise zu verfallen. Tadanobu Asano („Ichi the Killer“) gibt Temudjin auf seinem steinigen Weg zum Titel des Khan ein erhabenes Gesicht, während Sun Honglei („Die Sieben Schwerter“) als sein Freund und späterer Widersacher Jamukha wiedereinmal zeigt, warum er einer der besten Schauspieler Chinas ist. Um von den wuchtigen Landschaftsaufnahmen gar nicht erst zu reden…

06. The Dark Knight (USA 2008)

Vielleicht ist es DER Film des Jahres, wenn auch nicht der beste, den Christopher Nolan mit The Dark Knight gedreht hat. Ein Denkmal für Heath Ledger, sicher eine der besten Comicverfilmungen aller Zeiten und v.a. ein spannender, aber nicht dummer Actionthriller, der beträchtliche Lust auf eine Fortsetzung macht. Die Comic-Konkurrenz war dieses Jahr nicht zu unterschätzen (u.a. „Hellboy II“ und „Iron Man“), doch der Dunkle Ritter segelt souverän in die Top Ten.

05. There Will Be Blood (USA 2007)

Auch wenn „There Will Be Blood“ gegen Ende Gefahr läuft, von seiner Hauptfigur erschlagen zu werden und Paul Thomas Anderson sich das Einfühlungsvermögen, welches er seinen geplagten Figuren in „Magnolia“ noch in Hülle und Fülle hat zukommen lassen, in seinem aktuellen Film leider versagt, verdient die Geschichte um Daniel Plainview einen Platz in der Top Ten. Filme, die sich mit dem Klassischen Hollywoodkino messen können, gibt es eben viel zu selten. Die eigentliche Überraschung in There Will Be Blood heißt aber nicht Daniel Day-Lewis, sondern Paul Dano.

04. Brügge sehen… und sterben? (GB/USA 2008)

Politisch inkorrekt, brutal, komisch, traurig und gesegnet mit einer Ansammlung menschlicher Matschepampe. All das trifft auf Brügge sehen.. und sterben? zu. Es deutet möglicherweise auch darauf hin, dass das Debüt von Martin McDonagh nicht jedermanns Geschmack treffen wird. Wer Genrefilmen nicht abgeneigt ist, wird freilich schnell erkennen, dass McDonagh den (britischen) Gangsterfilm zu neuen Höhen geführt hat. Noch dazu ist ihm aufgegangen, dass Colin Farrell kleine besoffene Loser viel besser spielen kann als große makedonische Könige.

03. Michael Clayton (USA 2007)

Dass Anwaltsthrillern nach all den langweiligen John Grisham-Verfilmungen noch etwas neues abzugewinnen ist, das hatte zumindest ich kaum noch zu hoffen gewagt. Michael Clayton war daher ein leicht zu unterschätzender Oscaranwärter, dem das Label Epos dank des Mangels an weiten Landschaften, Pferden und Ölbaronen offensichtlich nicht zugeschrieben werden kann. Tony Gilroys Film verdient den dritten Platz, weil er mit einfachen Mitteln die dunklen Seiten großstädtischer Arbeitsexistenzen, die unschönen Seiten unserer Dienstleistungsgesellschaft aufdeckt.

02. No Country for Old Men (USA 2007)

Was „Michael Clayton“ an vordergründigen Eposqualitäten fehlt, findet sich in der Cormac McCarthy-Verfilmung der Coen Brüder. „Mitleidlos“ ist wohl das Wort, das am ehesten auf No Country for Old Men zutrifft. Verkörperung des kaltblütigen Zufalls ist Anton Chigurh (Javier Bardem), ein Killer, der in seiner soziopathischen Vorgehensweise einer Naturgewalt ähnelt. Tommy Lee Jones und Josh Brolin geben dem Film das dringend nötige menschliche Antlitz, was alles eigentlich noch unangenehmer macht.

01. Waltz With Bashir (IL/D/F/USA 2008)

Animierte Dokumentation, dokumentarischer Animationsfilm… Wie auch immer man Ari Folmans Film bezeichnen will, Waltz With Bashir landet hier auf Platz 1. Das verbildlichte Trauma des Regisseurs ist von allen hier genannten Filmen der innovativste. Innovation allein berechtigt aber noch nicht zur Spitzenposition. „Waltz With Bashir“ schafft genau das, was das sogenannte „Betroffenheitskino“ gerne sein möchte. Er greift Verdrängungsmechanismen auf, zehrt das Grauen aus einer subjektiven Sicht an die Oberfläche und zwingt zur Auseinandersetzung. Vergangenheitsbewältigung auf der großen Leinwand.


Im Verfolgerfeld:

„All the Boys love Mandy Lane“

„Hellboy II: Die Goldene Armee“

„Mamma Mia!“

„The King of Ping Pong“

„Tropic Thunder“

Der Beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe und auch nach der dritten Sichtung nicht kapiere:

The Sun Also Rises

Die größte Enttäuschung des Jahres:

„Ein Quantum Trost“.

Und Britney Spears, die immer noch „Musik“ macht.

Heißer Anwärter auf die Kategorie „Filme, die die Welt nicht braucht“:

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“

Der beste Trailer des Jahres mit überbordendem Zeitlupeneinsatz:

Watchmen – unterlegt mit „The End Is The Beginning Is The End“ von den Smashing Pumpkins.

Der beste Song, der sowohl im Trailer als auch im Film auftaucht:

Bedroom Walls – „In Anticipation of Your Suicide“ („All The Boys Love Mandy Lane“ O.S.T.)

Unglaubwürdigste Gesichtsbehaarung des Jahres:

Leonardo DiCaprio in „Der Mann, der niemals lebte“.

Preisverdächtigste Gesichtsbehaarung des Jahres:

Robert Downey Jr. in „Iron Man“ und „Tropic Thunder“.

Peinlichster Auftritt einer Gruppe Yetis in der Geschichte der Menschheit:

„Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“

Bestes Festivalerlebnis des Jahres:

„Sparrow“ von Johnnie To in der Caligari-Filmbühne zu Wiesbaden zu genießen.

Ein Autogramm von David Bordwell in Bologna zu ergattern.

Die gehypten Filme, die wahrscheinlich einen Platz in der Top Ten verdienen, ihn aber nicht bekommen, weil ich sie noch nicht gesehen habe:

„Schmetterling und Taucherglocke“

„So finster die Nacht“


Filmstöckchen

22. Dezember 2008

Es ist mal wieder Stöckchenzeit in der Filmblogosphäre. Bei Fincher hab ich das folgende gefunden. Wer sich nach all dem Einkaufsstress in letzter Minute zur Entspannung auf seine eigene Cinephilie besinnen will, kann es sich gern ausleihen.

1. Ein Film, den Du mehr als zehnmal gesehen hast?

„American Beauty“, weil er gut ist. Aus akademischen Anlass: „Infernal Affairs“ und „Magnolia“. Die beide auch ziemlich gut sind.

2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast?

„Der Herr der Ringe: Die Gefährten“. Ganze vier Kinobesuche. Noch so ein Film, den ich mehr als zehnmal gesehen habe. Hauptsächlich weil er, nun ja, gut ist. Ansonsten: „Der Untergang“, „Die Mumie“, die meisten „Harry Potter“-Filme und einige andere.

3. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Anthony Wong Chau-Sang, obwohl 70% seiner rund 200 Filme ziemlich besch***en sind. Die Highlights: „Erotic Ghost Story 2″ und „Raped By an Angel 4: The Raper’s Union“ in der grandiosen Rolle als „Human Milk Drinking Doctor“. Langweiler wie De Niro und Pacino träumen doch heimlich von solchen Glanzlichtern einer jeden Filmografie. Das inoffizielle Ziel, diesen schrecklich guten Schauspieler in jedem zweiten Post zu erwähnen, wurde dieses Jahr leider nicht erreicht. Aber das kann nächstes Jahr ja noch werden.

Bei den Damen: Cate Blanchett und Meryl Streep. Erklärungen dafür sind wohl nicht nötig.

4. Nenne eine/n Schauspieler/in, wegen dem/r Du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen.

Leonardo DiCaprio. Zumindest, wenn er einen Bart trägt. Im übrigen Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Dolph Lundgren und andere Steroiddosen. Von Männern ohne Bart und Muskeln: Will Ferrell. Weil nicht nur dumm, sondern auch dumm, unlustig und generell überschätzt.

Keira Knightley wäre eine weibliche Kandidatin, ob ihres mangelhaften Gewichts (wer will sich während eines Films über die Gesundheit eines Darstellers Sorgen machen?) oder ihrer angeborenen unsympathischen Art wegen. Die spielt aber leider in zu vielen sehenswerten Filmen mit.

5. Ein Film aus dem Du regelmäßig zitierst?

Über ein bissel „Monty Python“ komm ich nicht heraus. Aber was nützt selbst das, wenn man dazu tendiert, mitten im Zitat die Pointe/das Ende zu verwechseln/zu vergessen. Also lass ich’s lieber.

6. Ein Musical, von dem Du alle Texte der darin gesungenen Songs auswendig weißt?

Kein Musical hat bei mir je ein solches Interesse geweckt. Nicht mal „Sweeney Todd“.

7. Ein Film, bei dem Du mitgesungen hast?

Äh, singen? Ach ge!

8. Ein Film, den jeder gesehen haben sollte?

So ziemlich jeder Film von Johnnie To. Weil der halt Gott ist und so… Im übrigen „Casablanca“, weil die Welt mit ein paar mehr Rick Blaines eine bessere, wenn auch betrunkenere und zynischere wäre.

9. Ein Film, den Du besitzt?

Seit kurzem: „Blade Runner – Final Cut“. Der steht jetzt neben 265 anderen DVDs. Die VHS-Kassetten gammeln derweil ungezählt vor sich hin.

10. Nenne eine/n Schauspieler/in, die ihre Karriere nicht beim Film startete und die dich mit ihren/seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat.

Will Smith in „Ali“. Seitdem eher weniger.

11. Hast Du schon einmal einen Film in einem Drive-In gesehen?

Nein. Gibt’s die überhaupt im Osten?

12. Schon mal in einem Kino geknutscht?

Ja, war der Wirkung des Films (unverdient) abträglich.

13. Ein Film, den Du schon immer sehen wolltest, bisher aber nicht dazu gekommen bist?

„A Chinese Ghost Story“. Warum kommt der eigentlich nie im Fernsehen???

14. Hast Du schon jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

„Die Grüne Wolke“, einer der schlimmsten Kinderfilme wo gibt. Auf einem Kinderfilmfestival.

15. Ein Film, der Dich zum Weinen gebracht hat?

„München“ und „Die Farbe Lila“. Das ist bestimmt kein Zufall.

16. Popcorn?

Ach nee, Nachos rascheln lauter (in der geschmuggelten Tüte natürlich).

17. Wie oft gehst Du ins Kino?

Einmal in der Woche. Das Konto freut’s.

18. Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen?

„Death Race“. Du bist Jason Statham!

19. Welches ist Dein Lieblingsgenre?

Gangsterfilme. Am besten ist aber ein Mix, da es sich mit Überraschungen etwas spannender leben lässt. Daher der hier gern gepflegte Faible fürs asiatische Kino.

20. Was war Dein erster Film, den Du im Kino gesehen hast?

Vielleicht „Die Unendliche Geschichte 2″? Keine Ahnung, ob ich da überhaupt im Kino war. Mein erster Multiplex-Film war allerdings „Rush Hour“.

21. Welchen Film hättest Du lieber niemals gesehen?

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Weil der einfach schlecht ist. Und weder Anthony Wong, noch Meryl Streep mitspielen. Cate Blanchett allein kann die Jugenderinnerungszerstörungsmachinerie von Lucas und Spielberg nicht aufhalten. Ihre Domina-Frisur ist das beste am ganzen Film und war das Eintrittsgeld und das Stottern an der Kasse leider nicht wert.

22. Was war der merkwürdigste Film, den Du mochtest?

„Zabriskie Point“. Wer „Blow Up“ komisch findet, sollte Antonionis Nachfolger anschauen. Am Ende reisst’s das Ende raus (was für ein Wortspiel!). Wenn man glaubt, man hat alles gesehen, legt Antonioni immer noch einen drauf und raubt einem den Atem.

23. Was war der beängstigendste Film, den Du je gesehen hast?

Ich hasse Horrorfilme. Die machen mir Angst. In Sachen beängstigender Atmosphäre gewinnt aber „Blue Velvet“ klar vor „The Ring“. Lynchs Psychoetwas hab ich irgendwann abgebrochen. Da guck ich doch lieber „Eraserhead“. Der ist ein Kinderspiel dagegen.

In letzter Zeit: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. In der letzten halben Stunde wurde mir Angst und Bange um Spielbergs gegenwärtigen Geisteszustand.

24. Was war der lustigste Film, denn Du je gesehen hast?

„Sterben für Anfänger“ erntete bisher die meisten Lacher. Auf Dauer am lustigsten sind aber „Das Leben des Brian“ und „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“.


Die Top Ten des Jahres 2007 oder: Wie ich lernte, die Liste zu lieben

30. Dezember 2007

Wie es sich für einen anständigen (oder ideenlosen?) Filmblog gehört, darf eine Top Ten-Liste zum Ausklang des Kinojahres natürlich nicht fehlen. Was wäre die Welt auch ohne Listen? Sicher ein wesentlich langweiligerer Schauplatz von Krieg, Zerstörung und Talentwettbewerben, als sie es jetzt schon ist.

Auf der anderen Seite des großen Teiches drehen sich die Endjahreslisten meist um die Frage, welcher Film als nächstes seinen Machern einen vergoldeten Muskelprotz samt Schwert einbringt (und ich rede hier nicht von Gerard Butler).

Da die besten Filme des Herstellungsjahres 2007 hierzulande wohl noch gar nicht angelaufen sind, d.h. so ziemlich alle Kandidaten für besagtes Goldmännchen, wird das Auswahlkritierium für die folgende Liste der deutsche Starttermin sein. Was hatte das Kinojahr 2007 also den deutschen Cineasten und Gelegenheitskinogängern zu bieten?

Bei der Beurteilung dieser Liste sollte beachtet werden, dass 1. mir trotz meiner wöchentlichen Kinobesuche der ein oder andere Film entgangen ist (in diesem Fall bin ich für Vorschläge immer offen). Und 2. Komödien und Actionfilme (also U-Filme) nicht grundsätzlich weniger wert sind als anspruchsvolle E-Filme.


Auf geht’s…

10. Reprise

Dt. Titel: Auf Anfang

R.: Joachim Trier D.: Anders Danielsen Lie, Espen Klouman-Høiner

Mal wieder ein originelles Debüt aus Europas Norden, das den narrativen Elan des frühen Godard mit dem Einfühlvermögen der besten Coming of Age-Storys verbindet. Nach dem Abspann hätte ich am liebsten den Vorführer k.o. geschlagen und die Filmrollen gleich nochmal eingelegt.

09. Se, jie

Dt. Titel: Gefahr und Begierde

R.: Ang Lee D.: Tony Leung, Tang Wei

Ang Lee präsentiert sich auch hier auf dem Höhepunkt seiner Kunst und beweist mit diesem Spionagethriller, dass kein Genre vor ihm sicher ist. Wie wärs mal mit einer Teeniekomödie? Die Hauptdarsteller: Jonathan Rhys Meyers und Abbie Cornish. Wahrscheinlich würde der Kameramann bei all der Schönheit erblinden und die Linse vor Schreck bersten…

08. Live Free or Die Hard

Dt. Titel: Stirb Langsam 4.0

R.: Len Wiseman D.: Bruce Willis, Timothy Olyphant

Ganz einfach der beste Actionfilm des Jahres, die beste Fortsetzung eines sequelreichen Jahres und die beste Glatze des Jahres, die auch kein Oger schlagen kann. Zwar ist der Bösewicht charismalos und nichtssagend, dafür kombiniert Teil Vier der Saga um den vom Pech und internationalen Terroristen verfolgten Cop John McClane die besten Actionsujets aus Teil Eins und Drei: Klaustrophobisch enge, eiskalt aussehende Räume und lange Straßen mit vielen, dem Untergang geweihten Automobilen/ Hubschraubern/ Jets/ FBI-Agenten.

07. Hot Fuzz

Dt. Titel: Hot Fuzz

R.: Edgar Wright D.: Simon Pegg, Nick Frost, Jim Broadbent

Nach Shaun of the Dead liefert das Team Edgar Wright/Simon Pegg wieder eine zum Schreien komische Parodie ab, die frischen Wind in das Genre bringt. Die übertriebene Michael Bay-Ästhetik trifft auf das englische Dorfleben á la Miss Marple und das Resultat ist herrlich.

Unterstützt werden Simon Pegg und Nick Frost vom hübsch unernsten Jim Broadbent, diversen Cameos britischer Schauspiel- und Comedygrößen (u.a. Steve Coogan und Bill Nighy) und dem einfach nur verrückten Timothy Dalton („I’m a slasher! I must be stopped!“).

06. The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford

Dt. Titel: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

R.: Andrew Dominik D.: Brad Pitt, Casey Affleck

Abgesehen davon, dass Dominiks Film wohl von einen der coolsten Titel der letzten Jahre gesegnet wird, gibt der Western auch noch einiges her. Eine kühle Charakterstudie, ein Spätwestern, eine Elegie auf eine verlorene Zeit großer Abenteuer. Noch dazu Brad Pitt und Casey Affleck, die sich gegenseitig an die Wand spielen. Einen Oscar für den besten Zugüberfall hätte der Film bei mir sicher.

05. El laberinto del fauno

Dt. Titel: Pans Labyrinth

R.: Guillermo Del Toro D.: Ivana Baquero, Sergi Lopez

Alice im Wunderland trifft auf die Francodiktatur. Keine leichte Kost bietet Del Toro uns hier an, aber vitaminreiches Gedankenfutter braucht die Welt. Pans Labyrinth ist nicht nur ein Märchen kindlicher Unschuld und Vorstellungskraft im Rahmen des Faschismus, sondern auch eine längst fällige Würdigung der Widerständler.

04. Little Children

Dt. Titel: Little Children

R.: Todd Field D.: Kate Winslet, Patrick Wilson, Jennifer Connelly

Einen Oscar für den besten Trailer hätte Little Children verdient, aber man kann ja nicht alles haben. Einigermaßen erbarmungslos wirft Field seinen Vorstadtprotagonisten die ungelebten Träume vor die Füße. Ebenso verfährt er mit dem Pädophilen Ronnie, der, aus dem Gefängnis entlassen, in den Kreis biederer Mütter und Väter zurückgespuckt wird.

Die unheilvolle Spannung und visuelle Komposition erinnert nicht selten an American Beauty, doch die Schönheit dieser Vorstadt ist faulig.

03. Ratatouille

Dt. Titel: Ratatouille

R.: Brad Bird, Jan Pinkava D.: Patton Oswalt, Ian Holm

Wer glaubte, eine Steigerung sei nach Findet Nemo und Die Unglaublichen nicht mehr möglich, der hat sich getäuscht. Die in ihren Grundzügen eigentlich grauenhaft eklige Story einer kochenden Ratte direkt aus der Kanalisation ist wider Erwarten der Höhepunkt bisheriger Pixarwerke geworden. Vor dem Hintergrund des frankophilen Settings dreht sich Ratatouille um die Kunst, die alle (zoologischen) Grenzen überwindet.

Die Ratten möchte man am liebsten daheim halten, das Essen lässt einem das Wasser im Munde zusammen laufen und Anton Ego kann sich getrost in die Pixar Hall of Fame der besten Charaktere einreihen.

02. Zodiac

Dt. Titel: Zodiac

R.: David Fincher D.: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey, Jr.

Das Serienkillergenre hat schon einiges durchmachen müssen, aber einen Killer, dessen Identität nie geklärt, der nicht einmal gefasst wird? Genreexperte Fincher hat sich davon nicht abschrecken lassen und spielt genau damit in seinem Ensemblefilm.

Zodiac beweist, dass man das „Grauen“ allein mit einem geschickten Sounddesign in den Zuschauerraum transportieren kann. Mehr Krimi als Thriller ist der Film, eine spannende Schnipseljagd, die am Ende keine Tat, kein Motiv erklären kann, was alles noch grauenvoller macht.

01. Atonement

Dt. Titel: Abbitte

R.: Joe Wright D.: Keira Knightley, James McAvoy

Ganz einfach Perfektomundo.


Immer Ärger mit Potter: Fünf Filme im Vergleich

21. November 2007

Dank der DVD-Veröffentlichung von „Harry Potter und der Orden des Phönix“ und einer erneuten Sichtung des Films, habe ich mich mal zu einem Rating der bisherigen fünf Verfilmungen der Bücher von Joanne K. Rowling aufgerafft.

Das Bewertungskriterium ist hierbei weniger der Grad der wortwörtlichen Wiedergabe des Rowling’schen Werks (sind auch alle Handlungsstränge enthalten?…), sondern die Frage, inwiefern der besagte Film im Rahmen seines Mediums funktioniert (Gibt’s einen ordentlichen Spannungsbogen? Etc.).

Ein Vergleich mit dem jeweiligen Buch ist hier unumgänglich, dieser soll sich jedoch auf die Diskussion vergebener und genutzter Chancen beschränken.

5. Harry Potter and the Goblet of Fire (2005)

Dt. Titel: Harry Potter und der Feuerkelch

Regie: Mike Newell

Vielleicht liegt es daran, dass der Plot einer der besten der Serie ist (Vom Auftritt der Todesser bei der Quidditch-WM bis zum Finale auf dem Friedhof) und die Wendung am Ende nur noch von Teil Sechs übertoffen wird. Vielleicht habe ich auch nur eine unheilbare Allergie gegen Mike Newell-Filme. Oder der Film ist einfach nur schlecht.

Wie dem auch sei, Fakt ist, die Wendung um die wahre Identität des Professor Moody wird ziemlich derb und offensichtlich angedeutet. Sie „züngelt“ sich geradezu durch den ganzen Film, der doch für begriffsstutzige Kinder gar nicht geeignet ist.

Bis zur dritten Aufgabe (dem Labyrinth) und dem Auftauchen von Ralph Fiennes alias Lord Voldemort alias Tom Riddle, passiert hinsichtlich der Spannung absolut gar nichts. Einzelne Episoden werden aneinandergekleistert, Charaktere vergessen (Snape? Sirius Black?) oder gar deformiert.

Der schrullig mächtige Dumbledore wird mal eben zum nervösen, alle-Leute-in-seiner-Umgebung-an-den-Schultern-packenden-und-schüttelnden Schreihals.

Abgesehen von einer mit mittelmäßigen C.G.I.-Effekten überladenen Inszenierung bringen die Macher weder Innovation, noch Individualität in die Produktion. Teil Vier ist leider nur ein Rückschritt.

Das Highlight: Prof. Moody (Brandon Gleeson) verwandelt Draco Malfoy als Erziehungsmaßnahme in ein Frettchen.

McGonagall: Professor Moody! Is that a student?
Moody: Technically, it’s a ferret.

4. Harry Potter and the Philosopher’s Stone (2001)

Dt. Titel: Harry Potter und der Stein der Weisen

Regie: Chris Columbus

Chris Columbus-Bashing ist ja in Cineasten- und Potterkennerkreisen sehr beliebt und auch ich fröhne diesem Hobby gern und häufig. Man muss dem Amerikaner aber zu Gute halten, dass die Einführung in Rowlings Welt in Teil Eins letztendlich gelungen ist.

Die Potterserie richtet sich hier noch an Kinder und auf der Ebene eines Kinderfilms bewegt sich auch die konventionelle Inszenierung.

Die vielen Totalen überfordern Daniel Radcliffes Gestik und mehr als geweitete Augen bekommen wir von seiner Mimik nicht zu sehen. Dafür glänzt Emma Watson als Hermine noch mit charmant streberischer Natürlichkeit.

Der Climax kommt und geht ohne viel Trara, dafür setzt das fantasievolle Set-Design mit all seinen Details, die britische Darstellerriege und der Score von John Williams (besonders das Hedwig’s Theme) für alle kommenden Fantasymärchen Maßstäbe.

Der Stein der Weisen ist kein Kinderfilmklassiker in der Liga der Unendlichen Geschichte. Er ist nicht einmal besonders sehenswert, dank des Fehlens jeder persönlichen Note von Seiten der Regie oder Kamera. Zuviel muss erklärt werden, um eine ergreifende Geschichte zu präsentieren. Die belustigend altmodischen (d.h. an Romane des 19. Jahrhunderts erinnernden) Nebencharaktere und die Fantasie im Detail machen ihn noch immer ansehbar.

Das Highlight: Potions, potions, potions…

Professor Snape: Mister Potter. Our new… celebrity.

3. Harry Potter and the Chamber of Secrets (2002)

Dt. Titel: Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Regie: Chris Columbus

„Wow, der Farbfilter wird entdeckt! Ein Basilisk wird mitleidlos gekillt und alle schreien: Mein Gott, die Reihe wird immer düsterer. Bald sehen wir gar nichts mehr!“

Diese minimal zugespitzen Sätze geben in etwa die zeitgenössische Reaktion auf „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ wieder. In Deutschland kam der Film sogar nur geschnitten in die Kinos, um ihn noch ab sechs laufen zu lassen.

Bis zum vor sich hin plätscherndem Finale, dessen Schnitt und visueller Gestaltung man wenigstens anmerkt, dass Columbus versucht hat, den Ton der Vorlage zu treffen, fallen eher thematische als inszenatorische Unterschiede zu Teil Eins auf.

Die „Schlammblut“-Thematik wird eingeführt, Kinder werden in erschrecknden Posen versteinert und mit der Einführung von Lucius Malfoy (Jason Isaacs) gibt es erstmals deutlichere Hinweise auf lebende und damit bedrohliche Voldemort-Anhänger. Alles in allem erscheint die Zaubererwelt nicht mehr ganz so wunderbar rosa.

Columbus handhabt die Action-gesättigten und schauspielerisch anspruchsvollen Sequenzen schwerfällig. Die animierten Quidditchspieler schauen immer noch nach mit Pudding gefüllten Gummipuppen aus.

Die jugendlichen Darsteller übertreiben entweder maßlos (Rupert Grint) oder tun gar nichts (Daniel Radcliffe). Einzig Tom Felton als Draco Malfoy bleibt, wie in allen Filmen der Reihe, auch in diesem ein konstant akzeptabler, fieser Feigling.

Großes Kino ist die Kammer des Schreckens auch nicht. Wer sich die Filme wegen den über zwöljährigen Schauspielern anschaut, wird hier enttäuscht werden. Nur Jason Isaacs und Kenneth Branagh (Gilderoy Lockhart) haben Zeit und Raum ihre unterhaltsam übertriebenen Charaktere vor unserer Nase auszubreiten.

Das Highlight: So ziemlich jede Szene mit Gilderoy Lockhart, besonders der Duellierclub und das „Heilen“ der Quidditch-Verletzung Harrys:

Gilderoy Lockhart: As you can see the bone is no longer broken.
Hagrid: Broken? There’s no bones left!

2. Harry Potter and the Order of the Phoenix (2007)

Dt. Titel: Harry Potter und der Orden des Phönix

Regie: David Yates

Eine Eins hätte auch vor dem Filmtitel stehen können, doch was nützt ein Rating, wenn man unfähig ist, eine Entscheidung zu treffen.

Nach dem enttäuschenden vierten Teil war die Nachricht, ein TV-Regisseur werde den nächsten Potter drehen, durchaus Besorgnis erregend. The Girl in the Café war ein guter kleiner Film gewesen, aber ein Potterspektakel in den Händen dieses Mannes? Auch noch das längste und langweilligste Buch galt es zu verfilmen…

Die Schwächen des Buches musste Yates (und der Drehbuchautor Michael Goldenberg) erkannt haben, schließlich zieht er das Tempo an, verzichtet auf unnötige Subplots und filtert die zentralen Themen heraus.

Die Pubertät ist in keinem anderen Film dermaßen Hauptdarsteller, wie hier. Sie zieht sich durch Harrys Kampf mit sich selbst und seiner wahren Natur und gleißt schmerzhaft im unfreiwilligen Flashback des Severus Snape (Alan Rickman) wieder auf.

Mit Dolores Umbridge (gespielt von Imelda Staunton) wird einer der stärksten, weil überdrehtesten, Charaktere der Serie eingeführt. Jede Szene, jeder Ton Stauntons ist eine Wonne. Alle anderen Nebenfiguren erhalten entweder längere Szenen – Sirius Black (Gary Oldman) wird zur Vaterfigur – oder aussagekräftigere (McGonagall, Snape).

Plötzlich ist nicht nur comic relief das Ziel, wie noch im Feuerkelch. Charakerisierung wird groß geschrieben. Eine Aufgabe, die auch Cuarón nicht besser lösen konnte.

Yates nimmt einige Bilder und Symbole (z.B. die Fenster) seines mexikanischen Vorgängers subtil wieder auf und zeigt deutlich in welcher filmischen Kontinuität er sich bewegt. Die Dialoge drehen einem hin und wieder den Magen um (He’s really out there isn’t he?), doch aus den Büchern kann man keine Wunder zaubern.

Den Kampf zwischen Gut und Böse, der am offensichtlichsten im Duell des Ordens mit den Todessern ausgefochten wird (schwarz gegen weiß, Feuer gegen Wasser), unterlegt Yates mit einer metaphorischen Ebene, er trägt sich in den „Visionen“ Harrys aus. Das und der fließende Übergang zwischen Zeitungsartikeln und Wirklichkeit, der die Erzählung bereichert und beschleunigt, sind die auffälligsten kreativen Geschenke, die der Orden des Phönix an die Serie macht.

Trotz aller Effekte und der leider nur an einen MacGuffin erinnernden Prophezeiung, welche die Handlung antreibt, führt Yates die Charaktere und den Plot schon in die Richtung des nächsten Teils.

Das Highlight: Der finale Kampf zwischen dem Orden des Phönix und Voldemorts Todessern. Erstmals ordnen sich alle filmischen Komponenten der dynamischen Action unter. So muss Magie aussehen!

Cornelius Fudge: He’s back!

1. Harry Potter and the Prisoner of Azkaban (2004)

Dt. Titel: Harry Potter und der Gefangene von Azkaban

Regie: Alfonso Cuarón

Harry Potter und der Gefangene von Azkaban ist ein Quantensprung im Potterverse. Ein eigener Stil war Chris Columbus’ Sache nie, doch was Cuarón an Ideenreichtum und Willen zur Symbolik (in einem Jugendfilm!) in die Reihe brachte, hat wohl nicht nur mir die Freude an den Verfilmungen wieder nah gebracht.

Das wohl beste Buch der Serie gipfelt in einem verschleppten Climax, der in keinem anderen Teil so zu finden ist. Das retardierende Element des die-Zeit-zurück-drehens macht auch den Film nicht spannender und hier und da wäre etwas mehr Backstory zum Verständnis hilfreicher gewesen (der ganze Marauders-Subplot wird bis auf ihre Karte ignoriert).

All das gilt es zu akzeptieren, doch Cuarón weiß, wie man intelligent unterhält. Und er weiß, wie man Schauspieler vorteilhalft in Szene setzt. Das betrifft natürlich die Judendriege. Radcliffe wird wohl nie ein Großer werden, doch im Gefangenen von Azkaban stimmt einfach alles: Sein Look, die Chemie mit seinen Co-Stars, seine Co-Stars selbst.

Während Columbus’ Filme selten über eine episodische Darstellung des Schuljahres hinaus kamen, nutzt Cuarón seine auffällige Fenster- und Zeitsymbolik zur Gestaltung fließender Übergänge.

Allein die im ganzen Film zu findenden Kamerafahrten durch diverse Fenster – oft aus der Sicht Harrys oder die Außenwelt mit Harry verbindend – bieten gleichzeitig eine Rahmung und ein Hilfsmittel für die nahtlose Narration.

Die Kameraführung des Michael Seresin ist betont realistisch, eine Sequenz im Leaky Cauldron deutet schon Cuaróns Hang zu Tracking Shots an. Trotz ihrer Verspieltheit zielt die Inszenierung primär darauf ab, den Kontrast zwischen dem rauen Leben Harrys bei den Dursleys und der in all ihren kleinen Details spannenden Zaubererwelt herauszuarbeiten. Letztere wird schließlich gerade in diesem Teil Harrys wahres Zuhause.

Die Düsternis des Films – der im Titel angedeutete Gefangene ist aus Azkaban ausgebrochen und will anscheinend Harry töten – wird nicht auf einen Farbfilter reduziert. Die Gegenwart der alle Freude aus ihren Opfern saugenden Dementoren färbt auf das Leben in Hogwarts ab. Das obligatorische Quidditchspiel findet nicht zuletzt deswegen erstmals im Regen statt.

Die Naturaufnahmen sind romantisch, versetzt mit einer Prise Melancholie. Harrys Positionierung im Bild erinnert oftmals an die Werke Caspar David Friedrichs. Die Welt ist erwachsener geworden, so ergeht es auch ihrem Held, der sich in Folge dessen mit dem Tod seiner Eltern auseinander setzen muss.

Das dritte Buch ist gleichzeitig ein Höhepunkt (als letztes „Kinderbuch“ der Serie) und ein Übergang (die Ansätze zur Rückkehr Voldemorts im vierten Teil werden hier gelegt) zu ernsteren Gefilden. Die Verfilmung von Alfonso Cuarón wird diesen Aufgaben gerecht. Das Märchen ist noch immer sichtbar, während der Fokus Schritt für Schritt auf die Coming-of-Age- und heilgeschichtlichen Aspekte der Story verlegt wird.

Das Highlight: Das Finale in der Shrieking Shack. Ein Zusammentreffen der Generationen (Harry, Ron, Hermine vs. Black, Lupin, Pettigrew, Snape), in dem die Rollen nur scheinbar klar verteilt sind.

Hermione: If you’re going to kill Harry, you’ll have to kill us, too.
Sirius Black: No, only one will die tonight.


Die Serie deutet einen qualitativen Aufwärtstrend an. Für den sechsten Teil, Harry Potter and the Half-Blood Prince (Harry Potter und der Halbblutprinz) wurde wieder David Yates engagiert.

Der Neuzugang Bruno Delbonnel (Kameramann bei Die Fabelhafte Welt der Amelie und Across the Universe) verspricht neue Akzente in der visuellen Gestaltung und bestätigt die Erfahrung, dass das erwachsene Personal immer ein Grund ist, sich diese Jugenfilme anzuschauen.

Ob einer der Filme jemals seiner Qualität wegen in die Filmgeschichte eingehen wird, ist noch abzuwarten.


Gefühl und Verstand: Ang Lee

7. November 2007

Meinen gestrigen Besuch einer Vorstellung von „Se, jie“ (Gefahr und Begierde) im örtlichen Lichtspielhaus habe ich mal zum Anlass genommen, das filmische Werk meines Lieblingstaiwanesen unter die Lupe zu nehmen.

Da ich die ersten drei Filme von Ang Lee noch nicht gesehen habe, beschränkt sich der Streifzug durch seine Filmografie auf die Spielfilme, die er nach Eat Drink Man Woman gedreht hat. Das ganze Rating ist natürlich höchst subjektiv.


7. Ride with the Devil (1999)

Der einzige Film, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann. Die Besetzung ist im Vergleich zu denen seiner anderen Filme in den Hauptrollen nur mittelmäßig (Skeet Ulrich? Jewel?).

Der Bürgerkriegswestern ist sicher immer noch besser als die meisten anderen Versuche in diesem Subgenre in den letzten Jahren – z.B. dem Minghella-Tiefpunkt Cold Mountain – doch dafür glänzt Ride with the Devil mit eklatanten Längen und zumindest in der deutschen Version einer schrecklich weinerlich-quietschenden Synchro von Toby Maguire, der man nur schwer zuhören kann.

6. Hulk (2003)

Von allen Comicverfilmungen der letzten Jahre (also seit Blade) gefällt mir diese neben Sin City noch am besten. Von Kritikern und Fans wird der Film noch immer gedisst (was für ein tolles Denglish!) und im nachhinein bleibt die Wahl des Regisseurs verwunderlich.

Das Ende ist unspektakulär vermurkst, Nick Nolte ist kein erinnerungswürdiger Bösewicht und ein Höhepunkt der CGI-Kunst ist der Hulk auch nicht. Dafür bleibt Ang Lees Konzept das radikalste aller Big-Budget-Blockbuster-Comic-Adaptionen. Mithilfe von Splitscreens, Freeze-Frames und dem ideal besetzten Eric Bana greift Hulk Lees Lieblingsthemen im Comicstil auf: unterdrückte Gefühle, garniert mit Generationskonflikten.

5. Wo hu cang long [Tiger and Dragon] (2000)

Allein mein – nach drei Jahren Studium überraschenderweise noch immer vorhandener – gesunder Menschenverstand hält mich davon ab, diesen Film auf Platz sechs hinter Hulk zu schieben. Tiger and Dragon hat poetisch choreografierte Kampfszenen, beeindruckende Spezialeffekte, eine twistreiche Story und die Schaupielergarde Chinas auf der Pro-Seite. Wo bleibt das Contra?

Unbestreitbar ein Höhepunkt im wuxia-Genre ist Tiger and Dragon, dennoch werde ich den Film auf ewig mit Zhang Yimou’s Hero vergleichen. Dabei zieht Ang Lees Film den kürzeren.

4. Se, jie [Gefahr und Begierde] (2007)

Ganz frisch ist noch das Kinoerlebnis und die Einordnung fällt schwer. Wieder haben wir Lees Lieblingsthemen, diesmal personifiziert durch die Beziehung der Spionin-im-Widerstand-gegen-die-japanischen-Besatzer (Tang Wei) mit dem Kollaborateur und Geheimdienstler (Tony Leung). Diesmal verhindern die politischen Umstände eine Flucht aus den angestammten Rollen. Sie prägen den Umgang der beiden „Feinde“.

Am stärksten ist Gefahr und Begierde, wenn die Blicke mehr sagen, als die Dialoge. Tang Wei ist eine Entdeckung, Tony Leung zeigt mit seinem fliegenden Wechsel zwischen Charme, brutaler Eiseskälte und Melancholie die beste Leistung seiner Karriere. Das fatale Spiel der beiden Hauptfiguren, das eher einer Tortur gleicht, lässt den Zuschauer gegen Ende wirklich gespannt auf der Kante des Kinosessels verharren.

3. Brokeback Mountain (2005)

Dass dieser Film bei den Oscars gegen Crash verloren hat, wird für immer ein Schandfleck auf der reichlich verdreckten Weste der Academy bleiben. Zum wiederholten Male beweist Ang Lee sein Können in der Darstellung der Natur als Gefühlslandschaft.

Das besondere ist nicht, dass Lee eine Geschichte von schwulen Cowboys erzählt. Er behandelt sie wie jede andere Liebesgeschichte, in der Charaktere gegen eine repressive Gesellschaft ankämpfen. Darin liegt eine Stärke des Films, der vom Gegensatz zwischen dem wortkargen Ennis (Heath Ledger) und dem sensiblen Jack (Jake Gyllenhaal) lebt. Episches Kino, das seine Figuren nicht vergisst.

2. Sense and Sensibility [Sinn und Sinnlichkeit] (1995)

Ang Lees erster westlicher Film wird gleich zur besten Jane Austen-Adaption fürs Kino (oder kann jemand das Gegenteil beweisen?). Das Drehbuch von Emma Thompson bewahrt den humorigen und den gesellschaftskritischen Geist der Vorlage, während Lees Bildsprache auch nach der x-ten Sichtung noch beeindruckt.

Sense and Sensibility ist bis in die Nebenrollen treffend besetzt, neben Thompson, Winslet und Rickman glänzen besonders die Palmers (Hugh Laurie und Imelda Staunton). Selbst Hugh Grant passt irgendwie in das Ensemble, ohne den Film in eine RomCom zu verwandeln.

Dazu gibt’s einen der besten Soundtracks von Patrick Doyle (Henry V) und die Regie Lees, die, anstatt sich in romantischen Naturaufnahmen zu verlieren, die gesellschaftlichen Konventionen des frühen 19. Jahrhunderts und deren Auswirkungen visualisiert, fast schon anfassbar macht.

1. The Ice Storm [Der Eissturm] (1997)

Die Wahl von The Ice Storm zur Nummer eins mag den ein oder anderen verwundern, haben doch Filme, wie Tiger and Dragon oder Brokeback Mountain auffälligere Merkmale, die für diese Position sprechen. Tja, Pech gehabt!

So einfach geht’s natürlich nicht.

The Ice Storm funktioniert auf allen Ebenen. Ob als kritischer Blick auf das Amerika der 70er Jahre oder als tragisches Familiendrama. Das komplizierte Beziehungsgeflecht wird von Lee erbarmungslos, wie eine blutige Wunde, offen gelegt. Das ist hart mit anzusehen. Wenn schließlich der Abspann läuft, spürt man diesen nagenden Phantomschmerz, als gehöre man selbst zu den Familien Carver oder Hood.