All bad art is the result of good intentions.

29. Juli 2009

Hoffen wir, dass Oscar Wildes Weisheit nicht auf die neue Verfilmung seines Romans „The Picture of Dorian Gray“ zutrifft. Obige Erkenntnis stammt übrigens aus dem Vorwort des überaus lesenswerten Werkes. Da Wilde zu meinen Lieblingsautoren zählt, gibt’s hier auch einen Hinweis auf den ersten Trailer zum Film von Oliver Parker. Der kennt sich mit Wilde-Verfilmungen aus, hat er doch zuvor sowohl „An Ideal Husband“ (durchschnittlich), als auch „The Importance of Being Earnest“ (köstlich) auf die Leinwand gebannt. Schade nur, dass der wunderbare Rupert Everett nun nicht mitspielt.

Stattdessen beehren Colin „Mr. Darcy“ Firth und Ben „Prinz Caspian“ Barnes Dorian Gray mit ihrer Anwesenheit. Letzterer gibt den ewig jungen Herrn mit der dunklen Seele und obwohl er nicht gerade die Traumbesetzung für die Rolle ist (da kommt mir Jonathan Rhys-Meyers eher in den Sinn), verleiht er dem Schönling zumindest im Trailer schon mal einen sinistren Zug. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.


Bildung tut gut

25. Juli 2009

Während die Hype-Maschinerie der Comic-Con in San Diego alle Nase lang Trailer auf das Internet los lässt, muss hier mal etwas stilvolle Ruhe Einzug halten. Wer stattdessen mehr von Tron Legacy oder Alice im Wunderland von Tim Burton sehen will, findet sein Glück nach einem Klick auf die beiden Filmtitel.

An Education heißt jedenfalls der neue Film von Lone Scherfig, die zuvor u.a. für den Dogma-Hit „Italienisch für Anfänger“ und „Wilbur Wants to Kill Himself“ verantwortlich zeichnete. Ihr neuer Film basiert auf einem Drehbuch von Bestsellerlieferant Nick Hornby und erzählt eine Coming-of-Age-Story über ein 17-jähriges Vorort-Mädel (Carey Mulligan) im England der 60er Jahre, das durch eine Romanze mit einem wesentlich älteren, aber weltgewandten Playboy (Peter Sarsgaard) in Sachen Jazz, Ravel und Paris „fortgebildet“ wird. Sophisticated nennt man das Ergebnis auf der Insel, aber all das lenkt sie natürlich von ihrer geplanten  Ausbildung in Oxford ab.

Wirkt der Plot auf den ersten Blick nicht allzu neu oder einfallsreich, lockt der Film trotzdem mit einer fähigen Regisseurin, einem anscheinend sehenswerten Sixties Setting, einem angeblich ziemlich gutem Drehbuch und als Krönung Alfred Molina und „Happy-Go- Lucky“-Sally Hawkins in Nebenrollen. In Sundance hat der Film bereits den Publikumspreis gewonnen. Bei YouTube findet man den Trailer auch. Ein deutscher Starttermin steht abseits von „voraussichtlich 2009″ noch nicht fest.


Die Roten Schuhe (GB 1948)

8. Juni 2009

Das abgelegene Kloster im Fantasie-Himalaya in „Schwarze Narzisse“, der schwarz-weiße Himmel, den eine symbolische Treppe mit der Welt der Lebenden in „Irrtum im Jenseits“ verbindet und die Untiefen der Psyche des Serienmörders Mark, welche in „Peeping Tom“ ergründet werden.

Mit und ohne seinen Partner Emeric Pressburger ist die Realität, in die Michael Powell seine Figuren versetzt, oft genug relativ. Zwischenwelten tun sich da plötzlich auf, gegen deren häufig fatalen Sog sich die Männer und Frauen erwehren müssen, mal erfolgreich, mal zum Nachteil der eigenen geistigen Gesundheit.

In Die Roten Schuhe ist es die Kunst. Sie droht die Ballerina Vicky (Moira Shearer) zu entführen aus dem wirklichen Leben, das zunehmend außer Reichweite gerät. Vickys Traum geht in Erfüllung als sie der berühmte Impresario Boris Lermontov (Anton Walbrook) in sein Ensemble aufnimmt. Bald spielt sie die Hauptrolle in Andersens „Die Roten Schuhe“ und wird vom Publikum gefeiert. Vicky verliebt sich in den aufstrebenden Komponisten Julian Craster (Marius Goring), doch der obsessiv veranlagte Lermontov, dem das Ballett alles, das Leben nur ein Störfaktor ist, stellt sie vor die Wahl: Entweder sie gibt die Beziehung auf und wird zum Star der Ballettwelt oder die Arbeit im Ensemble – ihr Traum – ist für sie Geschichte.

Die roten Schuhe trägt Vicky streng genommen schon bevor sie von ihrem Mentor entdeckt wird. Auf die Frage, warum sie tanze, antwortet  sie schließlich herausfordernd „Warum leben sie?“. Die wunderbaren Schuhe, die das Mädchen in Andersens Märchen dazu zwingen, bis zur Erschöpfung, bis zum Tode weiter zu tanzen, ihr Rot hat man vor diesem Film noch nie gesehen.  In seiner fatalen Verführungskraft erinnert es an den Lippenstift, den sich die verrückt werdende Schwester Ruth im Finale von Schwarze Narzisse über die Lippen zieht. Es ist dort die Verlockung der Sinnlichkeit, hinter der sich Abgründe einer unrettbar verlorenen Seele verbergen. Es ist hier die Verheißung von Ruhm, Ehre und dem vollkommenen Aufgehen  und Verlust des Selbst in der künstlerischen Tat.

Powell und Pressburger waren Magier in der Komposition von Farbe und Bild, nicht zuletzt dank ihres Kameramanns, dem im April verstorbenen Jack Cardiff und in „Die Roten Schuhe“ haben sie sich in formaler Hinsicht selbst übertroffen. Den visuellen wie künstlerischen Höhepunkt nicht nur dieses Films, sondern des Tanzfilms generell, bildet die rund 17-minütige Erzählung der Geschichte-innerhalb-der-Geschichte – die Aufführung der „Roten Schuhe“. Das konventionelle Abfilmen der Bühnengeschehnisse, die daraus resultierende fundamentale Trennung zwischen der Erzählebene im Stück und derjenigen des Films überwinden P&P, in dem sie zunächst wie schon Busby Berkeley bei seinen Musicaleinlagen, das Kameraauge von der Zuschauerperspektive befreien und mitten auf der Bühne platzieren. Daraus folgend wird die Geschichte des Märchens in der Diegese (der Filmwelt) als gleichwertig behandelt. Anders gesagt: Die Fesseln des Theaters werden abgelegt.

Dank noch heute beeindruckender Special Effects eröffnet sich ein Tor in die grausame, von Hans Christian Andersen erdachte Fantasiewelt. Da tanzt das Mädchen in Zeitlupe nachts durch den von Menschen verlassenen Jahrmarkt, ihre einsame Selbstverlorenheit eindringlich auf eine Weise, von der moderne Filmemacher nur träumen können. „Träumen“ ist das richtige Wort für die gesamte, den Zuschauer sprachlos zurücklassende, Sequenz. Die umher gleitende Kamera scheint der einzige ständige Begleiter dieses Mädchens, das keine Ruhe finden kann und von den Schatten der dunklen, zunehmend sich zur Traumwelt wandelnden Stadt zum Weitertanzen gezwungen wird. Es ist dies ein Tanz, der nicht nur die pure, schöne Attraktion (wenn er darin auch sehr erfolgreich ist), sondern Mise en abîme, ein Spiegel der Filmhandlung, ist. Ein Kondensierung der Handlung auf wenige magische, märchenhafte Minuten; eine, die so weit in die restliche Story verzahnt ist, dass schlussendlich beide Ebenen ineinander übergehen und die vormalig auszumachenden Grenzen verschwimmen.

Dermaßen sticht hier technische Meisterleistung und gekonnte stumme Erzählung hervor, dass der restliche Film demgegenüber an Wirkung einbüßen muss. Immerhin eine Stunde dauert es, bis das Ballett zum Hauptdarsteller wird, denn Powell und Pressburger schenken dem Zuschauer bis dahin nur winzige Appetithäppchen, welche weder den Hunger nach der erwarteten P&P-Zauberei stillen können, noch sollen. Ohne den Auftritt Anton Walbrooks erschiene diese erste Hälfte wohl als unbedeutende seichte Tänzergeschichte.

Walbrooks dämonischer Charme verleiht dem besessenen Lermontov die Aura eines charismatischen Schattenwesens, das seine Tänzer aus der Realität entlockt und sie wie Blinde am Rande einer bodenlosen Kluft zurücklässt. Die glänzenden Augen, die seinem Theo in Leben und Sterben des Colonel Blimp noch eine tiefe Melancholie verliehen hatten, glimmen nun gefährlich, wann immer er die Macht über seine tanzenden Marionetten zu verlieren droht. So mysteriös wie die Welt des Märchens verzaubert dieser Magier der wirklichen Welt die zweite Hälfte des Films, findet sich Vicky wie auch der Zuschauer in seinem Bann wieder.

Dieser Lermontov lebt nicht nur das Ballett, er ist Ballett. Seine eleganten tänzelnden Bewegungen, der geschwungene melodische Akzent; das sind die Zutaten seines existenzbedrohenden Sirenengesangs. Er ist Michael Powell, der seine Zuschauer mit wunderschönen Bildern anlockt, manchmal gnädig ist, die Schönheit bewahrt und manchmal den Vorhang des Scheins fallen lässt; seine Zwischenwelten als alptraumhafte Labyrinthe entlarvt und dennoch folgt man seinem filmischen Gesang immer wieder gern.

[Erstmals veröffentlicht in der OFDb am 08. Juni '09.]


Zum Weiterlesen:

 

Uralte Kritiken von mir zu den beiden P&P-Filmen Leben und Sterben des Colonel Blimp und Irrtum im Jenseits.


Peter Sellers [1964-1966]

28. Oktober 2008

Der letzte Teil meiner Peter Sellers-Retrospektive umfasste den Aufstieg des einstigen Radiokomikers vom Charakterdarsteller zum Superstar der internationalen Kinoszene. Passenderweise endete der Post mit Der Rosarote Panther, also Sellers’ erstem Auftritt in jener Hassrolle des unfähigen Inspektors Clouseau, mit welcher der Brite noch heute allgemein assoziiert wird.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, stellt sich das Jahr 1964 im Nachhinein als massiver Wendepunkt dar. Unter der Regie von Stanley Kubrick sichert sich Sellers mit Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben endgültig seinen Platz in der Filmgeschichte. Großbritannien erst einmal hinter sich lassend, dreht er mit George Roy Hill, Vittorio De Sica, Blake Edwards und… Billy Wilder.

Doch während der Dreharbeiten für Küss mich, Dummkopf erleidet Sellers, damals 38 Jahre alt, mehrere Herzinfarkte. Die ohnehin stürmischen Dreharbeiten des Films werden danach mit Ray Walston in der Rolle des Orville fortgesetzt. Der Film floppt. Sellers überlebt.

In dem Jahr, in dem die Beatles Amerika eroberten, erreicht der Ex-Goon seinen kommerziellen Zenit. Vielleicht konnte es nach zehn Jahren Aufstieg als Schauspieler in der Folge nur bergab gehen. Unbestritten ist jedoch, dass die Kombination des enormen Erfolges mit einer gewissen „psychischen Instabilität“ infolge eines Nahtoderlebnisses Sellers zu einer unberechenbaren Diva am Set machen. Seine fragwürdige Rollenwahl zementiert den Abstieg.


1. Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (GB 1964)

Das Talent des Mannes der tausend Stimmen aus den Radiozeiten verschmilzt in Kubricks Satire mit seinen Fähigkeiten als Charakterdarsteller zum ersten und letzten mal zu einem absolut perfekten Amalgam komödiantischer Schauspielkunst.

War sein Markenzeichen, mehrere Figuren in einem Film zu spielen, in „Die nackte Wahrheit“ noch unausgereift und in „Die Maus, die brüllte“ ungleichmäßig verteilt, herrscht in „Dr. Seltsam“ eine ideale Balance skurriler Details, treffender Spitzen und urkomischer Monologe.

Animiert durch Kubricks Anregungen zur Improvisation, gedeihen Merkin Muffley, Lionel Mandrake und Dr. Seltsam selbst zu einem einander gänzlich ebenbürtigen Figurentrio. Die Tatsache, dass alle drei durch den selben Mann gespielt werden, ist hier kein Gimmick, welches den Rest des Films überschattet. Vielmehr ist sie schlicht ohne Belang.

Unvergessen bleibt das Telefongespräch des verzweifelten Präsidenten mit seinem betrunkenen russischen Kollegen: „Well now, what happened is… ahm… one of our base commanders, he had a sort of… well, he went a little funny in the head… you know… just a little… funny.

Seine zweite und letzte Zusammenarbeit mit Stanley Kubrick bringt Sellers’ beste komödiantische Leistung hervor. Kein leichtes Unterfangen, in dem Jahr als Jacques Clouseau zum Headliner wurde.

2. Ein Schuss im Dunkeln (GB/USA 1964)

Kaum zu glauben, aber die berühmte Pink Panther-Reihe ist sozusagen das ultimative Beispiel für ein Phänomen, das im Englischen akkurat als scene stealing bezeichnet wird. Dieses beschränkt sich meist nur auf wenige Szenen, in denen eine einprägsame Nebenfigur den Hauptdarsteller überschattet, etwa Alan Rickmans Sheriff von Nottingham in „Robin Hood“ oder aber Billy Nighy, der als alternder Rockstar das ganze Ensemble von „Tatsächlich Liebe“ hinter sich lässt.

In „Der Rosarote Panther“ geriet die Nebenfigur des trotteligen Inspektors Clouseau überraschend zum Star und Kassenmagnet des Films, während Hauptdarsteller David Niven unfreiwillig – aber mit Stil – deklassiert wurde. Prompt wurde eine Fortsetzung nachgeschoben und Sellers’ ebenso französischer wie aufgeblasener Depp stand mitten im Rampenlicht.

Im Gegensatz zu den späteren Filmen ist „Ein Schuss im Dunkeln“ weitgehend an klassischen Krimis orientiert. Noch geht es nicht um die Weltherrschaft, sondern „nur“ um einen Mord, in den ein Horde zwielichtiger Figuren, allen voran George Sanders als reicher Snob, verwickelt zu sein scheint.

Ungeachtet des recht zurückhaltenden Slapsticks – Zeitlupenkämpfe zwischen Clouseau und Kato sucht man vergebens – werden erst hier die berühmten Zutaten der Serie zusammengefügt: Clouseaus französischer Akzent degeneriert Schritt für Schritt ins Unverständliche; Dreyfus und Kato werden eingeführt; Clouseaus schrecklicher, aber sinnloser Verkleidungswahn beginnt.

„Ein Schuss im Dunkeln“ ist wohl genau deswegen der beste Film der ganzen Reihe. Es mangelt  glücklicherweise am destruktiven Exzess der 70er. Zugleich erreicht die Hauptfigur ihre ideale Reife. Noch ist dem unfähigen Inspektor ein Funke Menschlichkeit zu eigen; also ein Funke Stan Laurel.

3. Was gibt’s Neues, Pussy? (F/USA 1965)

Sellers’ Karriere zu verfolgen, bietet auch ein hervorragendes Anschauungsmaterial gesellschaftlicher und filmgeschichtlicher Veränderungen innerhalb eines Zeitraumes von rund dreißig Jahren. Das reicht von seinen ersten Rollen in den klassischen Ealing-Filmen und -Klonen der Fünfziger, über seine Kooperation mit  der Regie-Ikone Stanley Kubrick, bis hin zu seinem letzten großen Film, „Willkommen, Mr. Chance“, gedreht von einem New Hollywood-Regisseur.

Unübersehbar ist hierbei der Einfluss der Counter Culture und Hippie-Kultur auf seine Rollenwahl. „Was gibt’s Neues, Pussy?“, ein Hohelied auf Selbstbestimmung, Promiskuität und Individualität, darf als ein überdrehter Vorläufer von Filmen wie „I Love You, Alice B. Toklas“ und „Der Partyschreck“ begriffen werden.

Basierend auf Woody Allens erstem Drehbuch ist der Film zuallererst, wie wenig später „Casino Royale“, eine Ansammlung zeitgenössischer Stars, der man die geschriebene Vorlage kaum anmerkt. Das Chaos regiert im Lustreigen um Peter O’Toole, Romy Schneider und Allen selbst.

Passenderweise spielt Sellers den wohl unseriösesten Psychoanalytiker aller Zeiten. Fritz Fassbender spricht wie es nur Nazis in englischsprachigen Filmen vermögen, trägt eine Perücke, die wohl Richard III. entlehnt ist und seine fragwürdige Gruppentherapie sollte zum Wohle angehender Psychiater nicht näher beschrieben werden [You'll like this group analysis, it's a real freak show. If it gets dull, we sing songs.].

Clive Donners anarchische Sex-Komödie wird nie in die vorderen Ränge irgendeiner niveauvollen Top Ten vordringen. Neben allen Filmen von Sellers, die unter einem schwachen Regisseur oder einem fehlenden Konzept – man möchte nicht sagen: Sinn – leiden, ist „Was gibt’s Neues, Pussy?“ aber noch sein bester.

Die Figur des Therapeuten Fassbender, dessen Neurosen die seiner Patienten bei weitem übersteigen, ist wie seine Charaktere aus der Goon Show durch seine mehr oder weniger abartigen Eigenheiten an sich lustig. Die zunehmend manische Spielweise kann damit noch als Gewinn gesehen werden. Dazu muss man sich jedoch erstmal auf diese überbordende Form der Sixties-Komödie einlassen.

4. Jagt den Fuchs (USA/GB/I 1966)

Was beim Wiener Psychiater noch gelingt, läuft ausgerechnet in einer Parodie auf neorealistische und/oder europäische Arthouse-Streifen qualvoll ins Leere. Wie ein Regisseur namens Vittorio De Sica („Fahrraddiebe“) nach einem Drehbuch von Neil Simon („Ein seltsames Paar“) einen dermaßen uninteressanten, ja langweiligen Film in die Kinos bringen konnte, ist mir einigermaßen rätselhaft.

Sellers als Fellini-Parodie Frederico Fabrizi ist in Wirklichkeit ein Meisterdieb und wohl darin liegt eines der vielen Mankos eines Films, der das Zeug zu so viel mehr gehabt hätte. Stattdessen wirkt die Kombination aus Parodie und Gaunerkomödie unnötig überladen, so dass am Ende auf keiner Seite Erfolge zu verzeichnen sind.

Darüber hinaus ist Sellers hier leider nicht besser als sein Film. Was seine untalentierte, damalige Ehefrau Britt Ekland an seiner Seite als Schauspielerin zu suchen hat, ist ebenfalls eine Frage, welche nur die Produzenten beantworten können. Genutzt hat das Auftauchen einer hölzern agierenden Schwedin als  heißblütige Italienerin dieser internationalen Koproduktion nichts.

„Jagt den Fuchs“ ist der erste einer Reihe von Flops und Filmen, die nicht einmal ins Kino kamen. Sellers’ Pechsträhne findet in der mittelmäßigen Produktion ihren Startschuss und sollte erst knapp zehn Jahre später zu einem Ende kommen.


Der nächste Teil wird sich um die Zeit zwischen 1967 und 1974 kümmern, auch bekannt als „absoluter Tiefpunkt einer Karriere, um den kein Schauspieler zu beneiden ist“. Nur ein Lichtblick ist in Sicht: „Der Partyschreck“.


Brügge sehen… und sterben? (GB/B 2008)

21. Mai 2008

Brügge sehen und sterbenIn Bruges“ lautet der Originaltitel von Martin McDonaghs Spielfilmdebüt Brügge sehen… und sterben? (Stichwort „Plagiat“ bei deutschen Titeln). Für den frischgebackenen Auftragskiller Ray (Colin Farrell) ist das gleichbedeutend mit „In Hell„. In der flämischen Stadt mit seinem Kollegen Ken (Brandon Gleeson) untergetaucht, kann der an seinen Schuldgefühlen zu zerbrechen drohende Ray nichts mit dem Weltkulturerbe anfangen.

Während sein Partner das volle Touriprogramm durchläuft und dem Genuss der Schönheit des mittelalterlichen Stadtkerns frönt, quengelt Ray wie ein verhätscheltes Kind, sobald wieder eine Kirchenbesichtigung ansteht. Erst als er die Dealerin Chloë trifft, werden seine Lebensgeister geweckt. Sein Interesse für Brügge allerdings nicht. Dumm nur, dass sein Auftraggeber (Ralph Fiennes, der hier sein eigenes Rollenrepertoire herrlich persifliert) noch eine Rechnung mit ihm offen hat.

Die schöne Stadt in Flandern und Belgier im allgemeinen müssen in dieser Gangsterkomödie, deren Kern ein tragischer ist, einiges aushalten. Angesichts all der Witze über Minderheiten, Amerikaner und Kleinwüchsige – oder Gnome, wie Ray sie einfühlsam nennt – ist natürlich die Frage angebracht, ob McDonagh, der auch das Drehbuch geschrieben hat, schon einmal die zwei ausdrucksstarken Worte political und correctness gehört hat. Wie auch immer die Antwort lautet, eine gewisse Aufgeschlossenheit für die schwärzeren, respektlosen Gefilde britischen Humors sollte beim Zuschauer vorhanden sein, um den Film genießen zu können.

Denn ein Genuss ist dieser Genrefilm der etwas anderen Art durchaus. Beginnend bei der ungewöhnlich schwermütigen musikalischen Untermalung des städtischen Kontextes, vermeidet McDonagh den gängigen Schritt vieler (britischer) Gangsterfilme, sich gänzlich auf eine Vielzahl schrulliger Figuren, einen stilisierten Formalismus und eine wendungsreiche, aber im Grunde nichtssagende, Geschichte zu verlassen. Mit anderen Worten: Brügge sehen… und sterben unterscheidet sich erheblich von den Filmen Guy Ritchies und deren Epigonen.

Das darf man natürlich nicht falsch verstehen. Dieser Film ist wirklich urkomisch und beinhaltet einige im Alltag brauchbare Zitate. In ihrer Dichte sind diese in etwa vergleichbar mit Kiss Kiss Bang Bang, nur samt einer größeren Portion Fuck. Die fast schon absurden Dialoge könnte man als tarantioesque bezeichnen, sie rekurrieren indes v.a. auf die europäische (Pop)Kultur.

Abgesehen von ungenierten Witzen über das amerikanische Adipositas-Problem und die jüngere belgische Kriminalgeschichte, verwendet McDonagh sein zutiefst europäisches Setting um eine metaphorische Ebene seiner Geschichte zu etablieren, deren Tiefe den meisten Genrekollegen abgeht. Spätestens wenn Ray und Ken im Museum Werke von Hieronymus Bosch betrachten, wird man das Gefühl nicht los, McDonagh ginge es um mehr als nur um ein kauziges Buddymovie.

Als titelgebender Kontext wird die Altstadt Brügges vereinnahmt für die Handlung und deren Subtext, wie einst Venedig in Wenn die Gondeln Trauer tragen. So gerät das ausgewählte Milieu nicht nur zur Steilvorlage für skurrile Witze. Die ab der ersten Minute suggerierte melancholisch düstere Stimmung des Films lebt von den Postkartenansichten der Gemäuer aus dem „dunklen“ Mittelalter. So findet die im Grunde bestürzende Geschichte Rays, der den Tod eines Kindes verschuldet hat und nur noch Sühne leisten will, im katholischen Belgien ein bereicherndes Heim.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt man die Vorstellung von Brügge sehen… und sterben. Zwar geraten die bissigen Oneliner manches mal zum Selbstzweck, doch McDonagh garniert seinen Film mit einer in den vielschichtigen Figuren anglegten Ernsthaftigkeit, die ihn über die üblichen Genrespielereien obsiegen lässt.

Seine Cleverness spielt der Film bisweilen zum eigenen Schaden voll aus, unterminiert sie doch die Glaubwürdigkeit der finalen Wendungen. Das bestens aufgelegte Ensemble und die originelle Umsetzung trösten über diese Schwächen jedoch mühelos hinweg und machen Brügge sehen und… sterben? zu einer echten Überraschung des bisherigen Kinojahres.


Son of Rambow Trailer

3. April 2008

Wer sich wundert, dass hier in letzter Zeit so wenig passiert ist, dem kann ich eine wasserdichte Ausrede präsentieren: Eine Hausarbeit über die Geschichte des DDR-Fernsehens (Ja, ab und zu muss selbst ein Student studieren). An der Arbeit sitz ich noch immer, danach kommt noch eine zum Thema Infernal Affairs vs. The Departed, also wird die Postgeschwindigkeit in den nächsten Wochen noch etwas moderat bleiben.

Das soll mich aber nicht davon abhalten, auf die neue britische Komödie Son of Rambow hinzuweisen, deren Trailer unten zu sehen ist.

Garth Jennings, der vor drei Jahren „Per Anhalter durch die Galaxis“ mit viel Fantasie auf die große Leinwand gebracht hat, begibt sich in Son of Rambow zurück in die 80er und erzählt die Geschichte zweier Jungen, die inspiriert von Rambo: First Blood einen Film drehen.

Die Filmzeitschrift Empire hat passenderweise geschrieben:

„If you only see one Rambo movie this year, make sure it’s this one.“

Der deutsche Starttermin liegt laut der IMDB im August. Wir müssen uns also noch etwas gedulden.


Gosford Park (GB/USA/I 2001)

8. Februar 2008

Eigentlich wollte ich diese Kritik schon gestern schreiben, doch dann bin ich aufgewacht (gegen Zwölf Uhr mittags), hab gefrühstückt und danach in einem Wahn, der Adrian Monk alle Ehre gemacht hätte, die ganze Wohnung sauber gemacht. Hinterher waren meine Finger so hinüber, dass keine Tastatur in ihre Nähe gelangen durfte.

Aber nun zu wichtigeren Dingen. Auf Wunsch eines einzelnen Herren habe ich meine Kritik zu Gosford Park in der OFDb veröffentlicht. Einfach hier klicken und lesen.

Der Film von Robert Altman ist allen Fans britischer Schauspieler im allgemeinen zu empfehlen, denn hier spielt wirklich jeder mit. Und ich meine JEDER (!). Eine Dosis Koffein ist vorher aber dringend zu empfehlen. Das ist ein Film, bei dem der Zuschauer selbst nach der x-ten Sichtung noch neue Facetten entdeckt. Man sitzt dann einfach nur noch völlig baff da und sabbert vor Bewunderung für Mr. Altman auf die Chips.


Trailer: The Cottage

2. Februar 2008

Ich werde nicht viele Worte zu diesem Trailer verlieren.

Nur zwei Dinge seien angemerkt:

The Cottage ist eine britische Horrorkomödie.

Der Trailer ist – äh – schön …lustig.

Einen deutschen Starttermin habe ich noch nicht gefunden. The Cottage ist ab dem 22.08. in Deutschland auf DVD (FSK 18) zu haben. Extras wie entfallene Szenen und Outtakes gibt’s dazu. Mehr Infos zur Veröffentlichung bietet die OFDb.


Tödliche Versprechen (GB/CDN/USA 2007)

17. Januar 2008

Mein letztes Referat für dieses Semester liegt nun endlich hinter mir, so dass die sträfliche Vernachlässigung dieses Blogs ein Ende hat.

Als Anfang gibt’s hier ein paar Worte zu David Cronenbergs aktuellem Werk „Eastern Promises“, für dessen deutschen Titel höchst einfallsreich Tödliche Versprechen gewählt wurde. Der verantwortliche Ex-Ich-mach-was-mit-Medien-Student gehört entlassen oder nach Sibirien, aber das nur am Rande.

„Tödliche Versprechen“ gibt sich als Thriller, der die Rituale und Traditionen der russischen Mafia (hier in London) analysiert und ihre Brutalität offenzulegen versucht. Die Betonung liegt hier auf „versucht“.

Der Stein des Anstoßes dafür ist der Tod einer Zwangsprostituierten, deren Tagebuch in die Hände einer Ärztin (Naomie Watts) gelangt. Die kann natürlich kein Russisch und lässt es bei einem freundlichen älteren Herrn und Restaurantbesitzer (Armin Müller-Stahl) übersetzen, nichtsahnend, dass dieser ein russischer Vito Corleone ist. So trifft sie auch dessen Fahrer (Viggo Mortensen), der der nächste große Mann im Klan zu sein scheint.

Wer hier nun ein Mafiagroßwerk à la Goodfellas auf kyrillisch erwartet wird enttäuscht werden. Doch selbst als reiner Thriller funktioniert „Tödliche Versprechen“ nicht wirklich. Die dünne Story ist gerade im Mittelteil spannungsmindernd, die ungelenk wirkenden Tagebuchauszüge aus dem Off und die beeindruckend realistische Darstellung des Alltags der Zwangsprostituierten deuten hier und da ein Thema an, das viel zu selten im Kino aufgegriffen wird, doch stellt sich Cronenberg selbst ein Bein, wenn seine Inszenierung eine solch offene Faszination mit den Ritualen und Symbolen der russischen Mafia an den Tag legt.

Die Kamera erfreut sich am tätowierten, muskelbepackten Körper Viggo Mortensens, was in einem fragwürdigen Gegensatz zu den leblosen, mit blauen Flecken übersähten Körpern der Prostituierten steht und am Ende einigermaßen unentschlossen wirkt. Will Cronenberg diese (betont maskuline) patriarchalische „Gesellschaft“ der Mafia anklagen?

Dem steht die Stilisierung des männlichen Körpers besonders in der Badehaus-Sequenz gegenüber, die wohl den Höhepunkt des Films markiert und die ganze Prostituierten-Problematik klar in den Schatten stellt.

Schauspielerisch gesehen sind gerade Armin Müller-Stahl und Vincent Cassel Lichtblicke in Tödliche Versprechen. Ersterer mutiert sekundenschnell vom charmanten Opa zum eiskalt kalkulierenden Pate, letzterer gibt den schwächlichen Sohn desselben.

Leider wird der Verlust des Fokus’ der Erzählung in der Mitte des Films auch noch durch eine stellenweise ideenlose Inszenierung bereichert. Die Schaupieler können „Tödliche Versprechen“ wohl kaum im Alleingang retten. Cronenbergs Freude an antiklimaktischen Erzählweisen verliert ganz einfach an Wirkung, wenn er sein Interesse auf zuviele Themen verteilt.


..Brügge wie es leibt und lebt..

7. Januar 2008

Coole Gaunerkomödien sind ja schon seit langem ein Steckenpferd der britischen Filmindustrie. Nachdem sich der Maestro in diesem Genre, Guy Ritchie, sich in den letzten Jahren eher verfahren hat, gibt’s weiter Nachschub für die Fans in Form des ein oder anderen Debütfilms.

Am 24. April 2008 wird bei uns beispielsweise der Film „In Bruges“ anlaufen, der auch das renomierte Sundance Film Festival eröffnen wird. Das Erstlingswerk von Martin McDonagh, dessen Trailer (siehe unten) äußerst amüsant ist, versammelt Colin Farrell, Brendan Gleeson und Ralph Fiennes als Auftragskiller in der titelgebenden Stadt Brügge in Belgien.

Shootouts in mittelalterlichen Stadtkernen sind im Kino meiner Meinung nach viel zu selten zu sehen und was soll man noch gegen einen Film sagen, der mit der Tagline „Shoot first. Sightsee later.“ aufwartet?

Irgendwie klingt Ralph Fiennes hier auch noch wie Charlie Croker, äh, Michael Caine in The Italian Job. Die Freuden englischer Dialekte…